Nachwort und Dank

Sie haben bis hierhin gelesen oder geblättert und dabei wohl auch das eine und andere Mal eigene Sicherheiten in Frage gestellt. Das Leben und Lieben ist oft komplexer, als wir meinen, und vieles, was uns selbstverständlich er- scheint, ist manchmal ganz anders als erwartet. Gerade unsere eigenen Körper mit ihren Gefühlen und Bedürf- nissen sind eine eigentliche Terra incognita – zu unserer eigenen «Sicherheit» wohl auch nicht zu sehr erforscht oder gar ausgelotet.

Hier endet auch das im Restaurant J.O.S.E.F. so spontan entstandene «Projekt», der grosse Wunsch von Brigitte und Karl, in eine andere Welt einzusteigen, hinunterzusteigen. Es war und tat gut, dies zu versuchen, es war auch fordernd und oft an die persönlichen Grenzen ge- hend. Laufend über sämtliche Gefühle zu «reden», offen zu sein und vor allem auch im Schreiben darüber zu re- flektieren – all das war wohl das Wichtigste überhaupt. Die Szene des SM und BDSM ist nun für uns beide recht gut erforscht, wir haben eine Zeit lang in dieser Welt gelebt und unsere grosse Neugier befriedigt. Es ist jetzt ist aber auch gut so, darunter einen Schlussstrich zu ziehen.

Wie durch die Wucht eines Vulkanausbruchs ist jetzt jedoch vieles sichtbar geworden, unser Innerstes ist jetzt in der Welt. So als hätte es die Eruptionen eines Vulkans gebraucht, um uns selbst persönlich besser kennen zu ler- nen. Und um zu verstehen, dass so viel in uns Menschen verborgen ist. Und dem gilt es sich nun zu stellen. Mit Mut, aber auch mit viel Zuversicht.

Dank

Dass ich dieses Buch über Erlebnisse in einem – in vie- ler Hinsicht ausserordentlichen – Abschnitt meines Lebens viele Jahre später schreiben konnte und jetzt bei der Edition Unik veröffentlichen kann, habe ich vielen und vielem zu verdanken. Und ich bin wirklich sehr glücklich, so lang drangeblieben zu sein, nicht aufgegeben zu haben und es bis hierhin geschafft zu haben.
Erleben konnte ich diesen «Ausflug« in die Welt des BDSM gemeinsam und auf Augenhöhe mit Brigitte, einer engagierten Frau, die mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Und sie ist es, die die E-Mails gesammelt hat und sie mir zu treuen Händen als Geburtstagsgeschenk überreicht hat. An die Öffentlichkeit hingegen möchte sie nicht gelangen. Dafür habe ich volles Verständnis, und ich werde ihren Entscheid respektieren und ihre Identität für mich behalten.

Den Grobtext hatte ich also bereits seit vielen Jahren. Schon einige Male hatte ich versucht, dieses Buch zu schreiben. Lange gelang es mir nicht, zu vieles kam immer noch in mir hoch. Die Depression ist schliesslich auch nach Rheinfelden nicht einfach so verschwunden – Wunder gibt es nicht. Ich musste das Erlebte erst verarbeiten, versuchen, es zu «meiner Geschichte» zu machen, musste versuchen, möglichst alles zu verstehen und mit mir ins Reine zu kommen. Es gelang mir schliesslich, Klarheit über meine Gefühle, über mich und meinen Körper zu erlangen. Dazu wesentlich beigetragen haben die Sitzungen bei Psycholog:innen und meine langjährige Psychoanalyse. Aber auch, dass mein Freundeskreis zu mir hielt und mich unterstützte, ohne viel zu wissen. Das grosse Erstaunen kommt wohl jetzt: Weder meine Familie noch meine Freund:innen verfügen über mehr als die eine oder andere Andeutung. Somit ist dieses Buch für mich gleichzeitig ein happiges Outing. Lange habe ich es hinausgeschoben, konnte nicht darüber sprechen, aber nun ist es Zeit für mich. Ich will meine tiefsten Gefühle nicht weiter verstecken müssen, sie vertuschen und oben- drein immer wieder ironische oder sarkastische Bemerkungen und Andeutungen über etwas für mich Bedeutsames machen.

Per Zufall bekam ich einen für mich entscheidenden Tipp zum Loslegen: «Edition Unik – Schreib dein Buch». Hier fand ich das Umfeld, den Austausch und die (schreib-technische) Lösung, um (m)ein fertig gebundenes Buch erarbeiten zu können.

Da waren aber noch die Schreib- und Grammatikfehler in der Vorlage. Aus meiner (vor allem beruflichen) Erfahrung weiss ich, wie wichtig die fehlerfreie Veröffentlichung von Texten ist – ob gedruckt oder elektronisch auf dem Bildschirm. Nach monatelangem Hin und Her getraute ich mich schliesslich, einen Kollegen vom Wahlbüro, von Beruf Korrektor, anzusprechen. Das brauchte Überwindung und Vertrauen, vor allem deshalb, weil da das erste Mal jemand mein Buch nicht nur lesen, sondern dabei auch auf Punkt und Komma sowie jedes Detail achten würde. Martin übernahm das Korrektorat spontan und gerne. Zusätzlich leistete er dann einen grossen Beitrag als Lektor. Er schaute, dass die Kontinuität stimmte, und hie und da machte er mich auf Unstimmigkeiten aufmerksam, so zum Beispiel, wenn ich einmal von zwei, ein anderes Mal von einem Piercing schrieb.

Es ist unglaublich, wie viele Stunden Martin in seiner Freizeit für mich, für mein Buch aufgewendet hat. Interessant dabei ist auch, dass wir über zwei, drei Monate ausschliesslich über Korrekturen sprachen, erst nach der letzten Korrekturlesung sprachen wir offen, kontrovers und spannend über den Inhalt. Lieber Martin, dir gilt mein besonderer Dank. Eine neue Freundschaft ist entstanden.

Selbstverständlich träume ich davon, dass dieses Buch von einem Verlag ins Programm aufgenommen wird, eventuell auch als Hörbuch. Eine Adaption für einen Podcast oder für ein Zweipersonenstück in einem Theater auf einer Kellerbühne wäre toll und spannend. Das Thema ist ja momentan sehr präsent, die Gleichstellung der Geschlechter im Gange, anscheinend leider nicht unumkehrbar – da lassen Realitäten, Repressionen und Unterdrückung in Diktaturen, rechtskonservativen und vielen klerikalen Kreisen alle Alarmglocken läuten.

Geschlechtsidentitäten im Hinblick auf das persönliche und das berufliche Entfaltungspotential bewegen viele Menschen im Innersten. Und nicht wenige bleiben darin stecken, verstecken sich, bis hin zu schwersten Depressionen und Suiziden. Denn es geht um viel mehr als Gendersternchen (*) und den Mann und Frau einbeziehen- den Doppelpunkt (:) – es geht um das Lebensgefühl, die Lebensqualität jeder und jedes Einzelnen.

Gerne würde ich mich bei Lesungen in Buchhandlungen oder interessierten Kreisen dem offenen Gespräch stel- len, meine Erfahrungen zur Diskussion stellen und dabei selbst für mich Neues entdecken.

Karl@Brigitte
Hemmungslos, offen , authentisch